the lover

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photos: franzi kreis

 

(Sie zieht die Karte: The Lover.)

Sie sagt:

The major tone of this card concerns pleasure and emotional life. This is the very reason

why it is so complex and so rich in conflicting meanings. It opens the field to countless

projections, and a thousand meanings can be attributed to it, each of which can be right at a given moment.

 

und

The relations of its protagonists are extremely ambivalent.

 

Aha.

 

(Wir beginnen einen Dialog.)

 

 

Aha wird der Graben genannt, der bei mittelalterlichen Gärten die Mauer ersetzte, und die Grenze/Nicht-Grenze darstellt, die den Garten von der umliegenden Landschaft trennt und gleichzeitig zu einem organischen Ganzen vereint.

 

Aha ist auch die Methode des Dialogisierens. Aha ist eine Pause. Einatmen. Ausatmen. Aha: eine Kenntnisnahme, ein Moment des Innehaltens, während eine Information ankommt. Aha: eine Begrüßung, das Schmecken, Kosten, Probieren einer Wahrnehmung oder Information, eines Gefühls oder Erlebnisses.

(Dann kommt die Antwort.)

Aha ist auch eine altägyptische Tanzgottheit. Sein Gesicht ist umrandet von einer Mähne eines Pavians oder Löwen. In den Händen hält er Schlangen oder Messer.

(Wir warten nicht immer.)

Sie: Stimuli? Stimuli? Oh, ja hm eh alles. Nein. Da trifft was auf meine Netzhaut, auf meine Hauthaut, auf meine Lippen, die Lippen werden von Wörtern berührt, Wörter aus Licht, Folien, Zuckerl und Leder. Sind das Sätze, die ich spüre? Ein bestimmtes Tempo, ein bestimmter Winkel. Perspektive, Abstand, verzerrt durch die Luft dazwischen, es berührt mich. Involviert in etwas, und eingeladen, mich zu involvieren. Und noch bevor ich beschreiben kann, verstehe,  bin ichs schon, reagiert mein Körper, fängt an sich zu gebärden, zu schlucken, hinein. Zuerst tief hinein, dann …. und dann kommt wieder was raus…

Aha.

Die Praxis ist eine robuste Neugierde mit Freundlichkeit. Ein multisensorieller Raum in einer prekären Welt , der fragt, was Sprechen ist, woraus ein Satz besteht, und wie das Verstehen funktioniert, wenn es überhaupt.

Aha.

Prekarität ist ein Zustand, in dem man anderen gegenüber anfällig ist …. Eine prekäre Welt ist eine Welt ohne Teleologie … dass es gerade die Unbestimmtheit ist, die das Leben möglich macht.

Aha.

Was bedeutet: einen Raum teilen? (Können wir mit all unseren Differenzen koexistieren, ohne Kompromisse zu schließen?)

Aha.

Matter necessarily breaks down in the chew. To masticate by definition is to reduce stuff down to a base level, to make it easier to swallow and digest. By extension, to chew on ideas, for instance, is to explore the possibility of It going inward, to become a part of oneself. To figure a place for It within the structure of the body and its rhythms, beliefs, and projections. New ideas require some form of intake, and ultimate processing, a sort of manipulation so as to make more palatable the introduction of the foreign.

und

it is from the mouth that we taste, acquire, negotiate, and produce worldly intensities.

Ah, a macroerotic moment. Is this about language and sexuality? Oder woraus wird ein Wort geboren?

….out of the blue…..

(Ja sagen. Ja! Ja! Ja! Vielleicht! Aber ja! Sicher! Wahrscheinlich! Ja!)

Aha, ist das ein empathischer Raum? Oder ringt da jemand um Sprache?

For the chew directs our attention to the essential elements of the organic; it casts all form into question only to give deep suggestion for what may yet come forward, as the promise of a future order, a future body.

Aha.

Ein Stift, der schreibt, und ein Körper hängt dran, ohne Wollen. Er wusste nicht, dass der Regen weint.

Aha.

Augen und Brüste die zu Bergen und Bäumen, die schauen, wie alles 3D-horizontal an den Rändern klebt.

Aha.

Ein Körper, der sich erinnert wie ein Wort entsteht, und eine Hand, die das Schreiben vergessen hat.

Aha.

 

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konzept + performance: Johanna Nielson, Agnes Schneidewind

artistic advice: Sabina Holzer